Das richtige Geschenk

Kategorie: Adventsgeschichten

Ein kleiner Junge besuchte seinen Großvater und sah ihm zu, wie er Krippenfiguren schnitzte. Am Abend stellten sie gemeinsam die Figuren auf und der Großvater erzählte ihm die Weihnachtsgeschichte.

Als der Großvater zu Ende erzählt hatte, war der Junge eingeschlafen. Im Schlaf träumte er die Geschichte noch einmal. Er fand sich als Beobachter im Stall und schaute aus einer Ecke zu, wie die Weisen aus dem Morgenland dem Jesuskind die Geschenke überbrachten. Plötzlich wurde der Junge sehr traurig und fing an zu weinen, denn er wollte dem Jesuskind auch ein Geschenk machen, hatte aber nichts dabei.

"Warum weinst du denn?" fragte Jesus. "Weil ich dir nichts mitgebracht habe", sagte der Junge. Jesus sagte: "Doch, du hast etwas mit gebracht, es sind sogar drei Geschenke und die will ich haben. Das erste ist dein letzter Aufsatz." Da erschrak der Kleine: "Jesus!" Stotterte er ganz verlegen und flüsterte: "Da hat doch der Lehrer ungenügend darunter geschrieben." "Eben, deshalb will ich ihn haben," antwortete das Jesuskind.
"Das

zweite Geschenk ist dein Milchbecher." "Aber den habe ich doch heute Morgen zerbrochen," entgegnete der Junge. "Du sollt mir immer das bringen, was Du in deinem Leben zerbrochen hast," forderte ihn Jesus auf. "Dazu bin ich auf die Welt gekommen. Ich will es wieder ganz machen."

"Das letzte Geschenk ist die Antwort, die du deiner Mutter gegeben hast, als sie fragte, wie denn der Milchbecher kaputtgegangen sei." Da fing der Kleine bitterlich an zu weinen: "Ich, ich..."brachte er unter Schluchzen mühsam heraus, "ich habe den Becher umgestoßen; in Wahrheit habe ich ihn absichtlich auf die Erde geworfen." "Ja ich weiß," sagte Jesus. "Das alles sollst du mir bringen: deine Lügen, deinen Trotz, das Böse, was du getan hast. Und wenn du zu mir kommst, will ich dir helfen; ich will dich annehmen in deiner Schwäche, ich will dir immer wieder neu vergeben, ich will dich an deiner Hand nehmen und dir den Weg zeigen. Willst du dir das schenken lassen?" Der Junge schaute, hörte und staunte...

Autor: Jacky

Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung

Die Erzählung "Das richtige Geschenk" wirkt auf eine tiefgreifende und tröstliche Weise. Sie dreht das klassische Bild des Schenkens an Weihnachten um und zeigt, dass die wertvollsten Gaben nicht perfekte Leistungen sind, sondern unsere verborgenen Schwächen und Fehler. Die Geschichte vermittelt ein Gefühl von bedingungsloser Annahme und schenkt die befreiende Gewissheit, dass niemand mit leeren Händen vor dem Geheimnis der Weihnacht stehen muss. Sie verwandelt Scham in Hoffnung und macht die christliche Botschaft von Gnade und Vergebung auf eine sehr persönliche und berührende Art erfahrbar.

Ausführliche Interpretation der Geschichte

Die Geschichte arbeitet auf mehreren Ebenen. Zunächst stellt sie eine Verbindung zwischen der traditionellen Weihnachtserzählung und der persönlichen Lebenswelt eines Kindes her. Der Traum dient dabei als Brücke ins Innere, wo die eigentliche Begegnung stattfindet. Die drei geforderten Geschenke symbolisieren verschiedene Facetten menschlicher Unvollkommenheit: Das "ungenügende" Schulheft steht für Versagen und enttäuschte Erwartungen an die eigene Leistung. Der zerbrochene Milchbecher repräsentiert Missgeschicke, aber auch mutwillige Zerstörung und die daraus resultierende Schuld. Die Lüge gegenüber der Mutter schließlich verkörpert die bewusste Verfehlung, die moralische Schwäche.

Die revolutionäre Botschaft liegt in der Antwort des Jesuskindes. Es will nicht die makellose Leistung, sondern gerade das Kaputte, das Verfehlte und das Beschämende. Dies ist eine klare Allegorie für das theologische Verständnis der Menschwerdung Gottes, die dazu dient, das Zerbrochene zu heilen und Sünde zu vergeben. Die Aufforderung "Du sollst mir immer das bringen, was Du in deinem Leben zerbrochen hast" ist das Kernstück der Geschichte. Sie lädt zu einer beständigen, ehrlichen Haltung ein, die nicht Perfektion anstrebt, sondern die Bereitschaft, die eigene Hilfsbedürftigkeit anzuerkennen. Das Ende, in dem der Junge "schaute, hörte und staunte", zeigt die überwältigende Wirkung dieser unerwarteten Gnade – eine Erfahrung, die über reines Verstehen hinausgeht.

Welche Stimmung erzeugt die Geschichte?

Die Erzählung beginnt in einer warmen, geborgenen Atmosphäre des gemeinsamen Bastelns und Erzählens. Im Traum kippt die Stimmung zunächst in Traurigkeit und Verlegenheit, als der Junge seine leeren Hände bemerkt. Diese Gefühle der Unzulänglichkeit und Scham kennt wohl jeder Leser. Die anschließende Dialog zwischen dem Jungen und dem Jesuskind wandelt diese bedrückende Stimmung jedoch Schritt für Schritt in Erstaunen, Erleichterung und tiefe Freude. Es entsteht ein Gefühl der Befreiung und des getröstet Werdens. Die finale Stimmung ist eine Mischung aus Demut, Dankbarkeit und Hoffnung – ein sehr spezielles, inniges Weihnachtsgefühl, das weit über oberflächliche Festtagsfreude hinausreicht.

Für welchen Anlass eignet sich die Geschichte?

Diese Geschichte eignet sich hervorragend für besinnliche Momente in der Advents- und Weihnachtszeit. Perfekt ist sie für:

  • Den Heiligen Abend oder einen Weihnachtsgottesdienst, um den Fokus vom materiellen Schenken auf die geistliche Dimension des Festes zu lenken.
  • Eine Adventsfeier im Familien- oder kleinen Freundeskreis, um ins Gespräch über die persönliche Bedeutung von Weihnachten zu kommen.
  • Die religiöse Erziehung in Familie, Kindergarten oder Grundschule, um Kindern die Idee der Gnade verständlich zu machen.
  • Einen ruhigen Moment für sich selbst, um die eigene Einstellung zu Fehlern und Vergebung zu reflektieren.

Eignet sich die Geschichte zum Vorlesen oder eher zum Selberlesen?

Die Geschichte ist in besonderem Maße zum Vorlesen geeignet. Der dialogreiche Aufbau, die emotionalen Wendungen und die einfache, aber bildhafte Sprache entfalten ihre volle Wirkung, wenn sie mit einer ruhigen, einfühlsamen Stimme vorgetragen wird. Der Vorlesende kann an den entscheidenden Stellen Pausen machen und so die Spannung und die befreiende Lösung noch intensiver erlebbar machen. Das gemeinsame Hören schafft zudem eine intime Atmosphäre, die perfekt zum Inhalt passt. Zum Selberlesen ist sie natürlich auch gut geeignet, besonders für Kinder, die schon geübt sind, doch der magische Charakter des Erzählens kommt im gemeinsamen Vorlesen besser zur Geltung.

Für welche Altersgruppe eignet sich die Geschichte?

Die Zielgruppe sind vor allem Kinder im Grundschulalter, etwa von 6 bis 10 Jahren. In diesem Alter kennen Kinder die Gefühle von Scham über eine schlechte Note, das Verheimlichen eines Missgeschicks oder den Konflikt nach einer Lüge sehr gut. Die Geschichte spricht diese Erfahrungen direkt an und bietet einen tröstlichen Ausweg. Aufgrund ihrer klaren Symbolik und der einfachen Handlung ist sie aber auch für jüngere Zuhörer ab etwa 5 Jahren verständlich, wenn sie begleitet wird. Gleichzeitig berührt die tiefe Botschaft der Annahme auch Jugendliche und Erwachsene, sodass sie als "Geschichte für alle" gelten kann, die über die kindliche Ebene hinausreicht.

Für wen eignet sich die Geschichte weniger?

Die Erzählung ist weniger geeignet für Menschen, die eine rein weltliche, nicht-religiöse Weihnachtsfeier gestalten möchten, da ihr Kern eine explizit christliche Theologie ist. Wer ausschließlich nach humorvollen oder spannenden Weihnachtsgeschichten sucht, wird hier nicht fündig. Auch für sehr kleine Kinder unter 4 Jahren ist die Handlung mit ihrem Traum und den abstrakteren Gesprächen möglicherweise noch zu komplex. In Gruppen, die einen schnellen, unterhaltsamen Programmpunkt suchen, könnte die nachdenkliche und ruhige Erzählung als zu schwer oder zu intensiv empfunden werden.

Abschließende Empfehlung: Wann genau sollte man diese Geschichte wählen?

Wähle diese Geschichte dann, wenn du die Weihnachtszeit um eine Dimension der Tiefe und des Trostes bereichern willst. Sie ist das perfekte Gegengewicht zur Hektik des Geschenkeeinkaufs und der perfekten Festtagsplanung. Lies sie an einem ruhigen Adventsnachmittag bei Kerzenschein oder als Höhepunkt am Heiligen Abend, nachdem die Geschenke ausgepackt sind. Sie ist besonders wertvoll in Momenten, in denen du oder deine Kinder das Gefühl haben, nicht gut genug zu sein oder unter kleinen und großen Fehlern des vergangenen Jahres zu leiden. "Das richtige Geschenk" erinnert uns daran, dass die eigentliche Weihnachtsfreude darin liegt, unsere Unvollkommenheit annehmen und verwandeln zu lassen – ein Geschenk, das wirklich jeder machen und empfangen kann.

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