Weihnachtliche Kindheitserinnerungen aus den 50er Jahren!
Kategorie: lustige Weihnachtsgeschichten
Die Zeit vom 1.Dezember bis Heilig Abend ist eigentlich eine schöne Zeit, es kommt der Nikolaus und jeden Sonntag bis Weihnachten wurde eine Kerze am Adventskranz angezündet.
Früh wurde es dunkel, frostig und kalt war es draußen und in den Stuben brannte wärmende Feuer in den Öfen!
Meine Aufgabe war es gewesen, einmal am Tag die Aschekästen zu entleeren, in den Schuppen zu gehen und Holz für die Öfen zu holen.
Eine rutschige, mühsame und gruselige Arbeit, oftmals flog der Weidenkorb mit dem Holz quer über den Hof, einmal traf er die Tonkrüge mit den Soleeiern, diese zerbrachen und die Eier rollten die Kellertreppe herunter und lagen verstreut im Vorgarten!
Es war wie Ostern, nur im Winter, ich mußte die Eier suchen und einsammeln!
Sah man die Leute auf der Straße, waren viele erkältet und hatten eine Grippe!
Unsere Familie und ich hatten auch eine, aber die wurde mit "K" geschrieben!
Die Krippe wurde immer in der Vorweihnachtszeit im Wohnzimmer aufgestellt, sie sollte auf das bevorstehende Weihnachtsfest und die Geburt des Kindes einstimmen!
Ich fragte mich jedes Jahr aufs neue, warum wächst das Kind nicht und wann wird es erwachsen?
Wenn man sich eine normale Krippe vorstellt, ist diese doch eigentlich langweilig?
An einem besonders kalten Tag, Eisblumen waren an den Fensterscheiben, draußen gefror der Nebel in den Bäumen, da nahm ich Josef und das Kindlein aus der Krippe und stellte sie auf den Ofen im Wohnzimmer, sie sollten es auch warm haben.
Aber ich glaube, sie konnten die viele Wärme nicht vertragen, das Kindlein veränderte seine Farbe und Josef zerplatzte mit einem lauten Knall in seine Einzelteile, die bis in die Küche, in den Stollenteig flogen!
Für diesen Blödsinn wurde ich zum Teigrühren verdonnert und mußte die gelernten Weihnachtslieder aufsagen, die ich auf der Blockflöte, unter dem Tannenbaum spielen sollte.
Aber die Krippe sah ohne Josef blöd aus!
So konnte sie nicht stehen bleiben, gar nicht auszudenken, was sollte ich Oma und Opa sagen?
Ich konnte ihnen doch nicht erklären, der Josef ist geplatzt, dann gab es eine Waschen und Weihnachten war gehalten!
In der Stube stand eine Schale mit Zwetschgen und Walnüssen, aus diesen baute ich den Josef neu, zwar nicht schön, aber selten!
Wenn man nicht genau hinsah, war die Krippe wieder komplett!
Was aber auffiel, das Kindlein in der Krippe, es sah aus, als hätte es zu lange in der Sonne gelegen.
Damit ich weiter keinen Blödsinn machte, sollte ich die Walnüssefür den Weihnachtsbaum vorbereiten.
Ich bekam eine Schale mit Leimwasser vorgesetzt und ein Heft mit Blattgold, womit die Baumfrüchte verschönert werden sollten, das Blattgold mußte man um dir Nüsse blasen!
Aber wie es so ist, alles hatte einen Haken, ich durfte vorher keine Luft von mir geben, auch die Luft im Bauch nicht, sonst verteilten sich die Goldblättchen im ganzen Wohnzimmer.
Langsam veränderte sich meine Gesichtsfarbe, von dunkelrot ins Blaue, wegen des Luftmangels!
Es kam, wie es kommen mußte, die Nase fing an zu jucken und ich mußte nießen, gleichzeitig entlud sich krachen das Methangas in meinem Bauch aus dem Auspuff!
Das Blattgold segelte durch den ganzen Raum, nur nicht auf meine Nüsse!
Wieder bekam ich Ärger und eine neue, der nicht endenden Arbeiten zugewiesen.
Der Lebkuchen sollte mit Silber-, und Goldpapier eingewickelt werden, nur essen durfte ich keinen und wenn doch, bekam ich eine Kopfnuss!
Bis auf die Krippe, den Nüssen, die Soleeiern und den Lebkuchen, verlief die Vorweihnachtszeit ohne weitere Mißgeschicke!
Endlich, es war Heilig Abend, ich saß im Badezuber in der Küche vor dem Herd, träumte von meinen schönen Geschenken, die ich vom Weihnachtsmann bekommen sollte!
Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, wurde ich mit einer Wurzelbürste und einem Stück Kerseife bearbeitet, bis mein ganzer Körper wie ein gekochter Krebs aussah!
Mein Geschrei und Gezeter nutzte mir gar nichts, wenn das Christkind kommt, mußte man sauber sein!
Nach dieser Tortur stand ich in meinen Sonntagskleidern, wie neu, vor dem Weihnachtszimmer, ein Hauch von Kernseife und Lawendel umwehten mich und wartete auf die Bescherung.
Das Glöckchen erklang, ich betrat das Zimmer, in der Ecke, der Tannenbaum mit meinen eingewickelten Lebkuchen und vergoldeten Nüssen, die im Kerzenlicht aufblinkten.
Unter ihm, die beleuchtete Krippe, komisch, sie sah so fruchtig aus!
Alle Figuren waren aus Zwetschgen und Walnüssen, selbst das Kindlein in der Krippe!
Toll,in dieser Jahreszeit hatten die meisten eine Grippe, aßen Zitronen und verzogen sauer das Gesicht, wir hatten auch eine, aber die wurde mit "K" geschrieben und war aus Früchten und kerngesund!
Sagt selbst, eine normale Krippe, mit Eseln, Ochsen, Schafen, Hirten und den heiligen "Drei Königen", die extra aus dem fernen Orient eine Dienstreise antreten müssen, um am 6.Januar bei uns einzutreffen, ist doch unkuhl!
Unsere, aus Zwetschgen und Walnüssen, die hatten einen viel kürzeren Weg, sie waren aus Omas und Opas Schrebergärten von den Bäumen gefallen, der lag um die Ecke, in der Schillerstraße!
Ist doch voll kuhl, oder?
Fröhliche Weihnachten! Autor: Dieter Siebald
- Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
- Ausführliche Interpretation der Geschichte
- Welche Stimmung erzeugt die Geschichte?
- Für welchen Anlass eignet sich die Geschichte?
- Eignet sich die Geschichte zum Vorlesen oder eher zum Selberlesen?
- Für welche Altersgruppe eignet sich die Geschichte?
- Für wen eignet sich die Geschichte weniger?
- Abschließende Empfehlung: Wann genau sollte man diese Geschichte wählen?
Kurze einleitende Zusammenfassung der Wirkung
Diese Weihnachtserzählung von Dieter Siebald wirkt wie ein warmes, leicht verschmitztes Lächeln. Sie entführt dich in eine konkrete, sinnliche Welt der 1950er Jahre, wo die Vorweihnachtszeit von praktischen Arbeiten und haptischen Erlebnissen geprägt war. Der Charme liegt in der kindlichen Perspektive, die aus vermeintlichen Katastrophen – geplatzte Krippenfiguren, verwehtes Blattgold – am Ende eine ganz eigene, kreative und "kuhle" Weihnachtstradition entstehen lässt. Die Geschichte vermittelt kein perfektes, glattgebügeltes Fest, sondern eine herzerfrischende Mischung aus Nostalgie, Humor und der Botschaft, dass wahre Weihnachtsmagie oft aus Improvisation und liebevollen Fehlern erwächst.
Ausführliche Interpretation der Geschichte
Dieter Siebalds Erinnerung ist mehr als nur eine Aneinanderreihung lustiger Vorfälle. Sie zeichnet ein tiefgründiges Porträt von Kindheit, Tradition und der subversiven Kraft der Fantasie. Die Erzählung lebt vom Kontrast zwischen der strengen, ritualisierten Erwachsenenwelt (Adventskranz, Krippenaufstellung, penible Vorbereitungen) und dem ungestümen, logischen Denken des Jungen. Seine pragmatische Frage, warum das Jesuskind in der Krippe nie wächst, führt direkt zur Katastrophe mit dem Ofen, aber auch zur genialen Lösung: einem selbstgebastelten, essbaren Krippenensemble aus Zwetschgen und Walnüssen.
Dieser Akt ist der zentrale Punkt der Interpretation. Der Junge ersetzt die ferne, unveränderliche Heiligenfigur durch etwas Nahes, Verfügbares und Natürliches aus Omas Garten. Die "Grippe mit K" (Krippe) wird so zu einem gesunden, fruchtigen Symbol der Festfreude. Siebald hinterfragt damit spielerisch konventionelle Weihnachtsdarstellungen und feiert stattdessen eine persönliche, regionale und humorvolle Form der Andacht. Die wiederkehrenden "Arbeitsstrafen" – Teig rühren, Nüsse vergolden – zeigen zudem, wie in dieser Zeit Weihnachten aktiv mitgestaltet wurde, oft durch kleine Pflichten, die in der Rückschau zu kostbaren Erinnerungen werden.
Welche Stimmung erzeugt die Geschichte?
Die Erzählung erzeugt eine sehr spezifische, mehrschichtige Stimmung. Dominant ist ein Gefühl warmer Nostalgie, das durch lebhafte Sinneseindrücke transportiert wird: die Wärme des Ofens, der Duft von Kernseife und Lavendel, das Knacken der zerplatzenden Figur. Darüber liegt ein durchgängiger, liebevoller Humor, der aus der Diskrepanz zwischen kindlicher Absicht und desaströsem Ergebnis entsteht. Es ist keine Spottlust, sondern ein mitfühlendes Schmunzeln über die Tücken des Alltags. Gleichzeitig schwingt eine leise Melancholie mit, ein Hauch von "damals, als die Welt noch anders war", verbunden mit der Kargheit und Mühsal des Winters in den 50ern. Insgesamt hinterlässt die Geschichte ein überwiegend heiteres, zuversichtliches und herzliches Gefühl.
Für welchen Anlass eignet sich die Geschichte?
Diese Geschichte ist ein perfekter Begleiter für gemütliche Stunden in der Adventszeit. Sie passt hervorragend zum gemeinsamen Plätzchenbacken, wenn selbst kleine Missgeschicke in der Küche passieren können. Du kannst sie auch vorlesen, während die Familie zusammen sitzt und vielleicht selbst Nüsse oder Lebkuchen verziert. Sie eignet sich ebenso für einen geselligen Adventsnachmittag mit Freunden, um ins Gespräch über eigene, skurrile Weihnachtserinnerungen zu kommen. Für dich allein ist sie eine wunderbare Lektüre an einem kalten Dezemberabend, die dich in eine andere Zeit versetzt und ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
Eignet sich die Geschichte zum Vorlesen oder eher zum Selberlesen?
Die Geschichte eignet sich ausgezeichnet zum Vorlesen. Der lebendige, dialogische Erzählstil ("Ist doch voll kuhl, oder?") und die plastischen Szenen kommen gesprochen besonders gut zur Geltung. Die pointierten Höhepunkte wie das Platzen Josefs oder die Explosion des Blattgoldes sorgen für garantierte Lacher beim Publikum. Zum Selberlesen ist sie natürlich ebenfalls ein Genuss, da man dann in Ruhe die feinen sprachlichen Details und die charmante Orthographie (wie "unkuhl") wirken lassen kann. Für die volle Wirkung der kindlichen Perspektive und des humorvollen Tons ist das Vorlesen jedoch besonders empfehlenswert.
Für welche Altersgruppe eignet sich die Geschichte?
Primär spricht die Geschichte Erwachsene an, die entweder selbst Kindheitserinnerungen an diese Zeit haben oder sich für den Alltag der 1950er Jahre interessieren. Aufgrund der humorvollen und abenteuerlichen Episoden ist sie aber auch für Kinder und Jugendliche ab etwa 8 oder 9 Jahren geeignet. Jüngere Zuhörer freuen sich über die slapstickartigen Momente, ältere Kinder und Teenager verstehen bereits die Ironie und die subversive Note. Sie ist damit eine seltene Geschichte, die generationenübergreifend funktioniert und Großeltern, Eltern und Kindern gemeinsamen Gesprächsstoff bietet.
Für wen eignet sich die Geschichte weniger?
Weniger geeignet ist die Erzählung für Leser, die eine klassische, besinnliche und ausschließlich fromme Weihnachtsgeschichte suchen. Wer sich an der leicht respektlosen, aber liebevollen Behandlung des Krippenmotivs stört oder den humorvollen, manchmal derben Ton (Stichwort "Methangas") nicht mag, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Auch Menschen, die sehr geradlinige, konfliktfreie Erzählungen bevorzugen, könnten mit der episodenhaften Struktur und den vielen kleinen Katastrophen wenig anfangen. Sie ist kein stilles Gedicht, sondern ein lebendiger, etwas schräger Erinnerungsstrom.
Abschließende Empfehlung: Wann genau sollte man diese Geschichte wählen?
Wähle diese Geschichte von Dieter Siebald genau dann, wenn du das perfekte, kommerzielle Weihnachtsklischee einmal hinter dir lassen möchtest. Sie ist das ideale Gegenmittel zu Hektik und Glanz, wenn du dich nach einer ehrlichen, erfrischend unverkitschten Erzählung sehnst. Lies sie an einem Tag, an dem selbst deine Vorbereitungen mal nicht nach Plan laufen – sie erinnert dich daran, dass gerade aus Pannen die schönsten und nachhaltigsten Erinnerungen entstehen. Diese Geschichte ist perfekt für den dritten oder vierten Advent, wenn die Vorfreude groß ist, aber auch die Nerven vielleicht etwas dünner werden. Sie holt dich mit einem Augenzwinkern wieder auf den Boden und zeigt, dass Weihnachten im Herzen und in der gemeinsamen Schaffensfreude liegt, nicht in perfektem Goldglanz. Sie ist, mit einem Wort, einfach "kuhl".
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