Die Herbergssuche

Die Herbergssuche
„Duhuhu... Papa, in der Schule haben wir heute ein Theaterstück für Weihnachten geprobt. Es heißt die Herbergsuche und ich muss den Wirt spielen.“
„Ja da schau her, mein Sohn ein Schauspieler!“
„Wo ist eigentlich die Mama?“
„Ach, die ist oben, wir wollen doch das Zimmer vermieten und da ist vorhin ein junges Pärchen gekommen, um es sich anzusehen.“
„Und, bekommen die das Zimmer?“
„Auf gar keinen Fall!“
„Weshalb denn nicht, Papa?“
„Weil es Asylanten sind!“
„Na und...?“
„Weil..., Asylanten sind..., Asylanten haben eben..., Asylanten können eben nicht..., na ja, ich mag halt einfach keine Asylanten unter meinem Dach haben!
Aber wir wollten mal nicht ganz so unhöflich sein und haben ihnen das Zimmer einfach nur mal gezeigt, damit die mal sehen, wie schön und sauber man hierzulande wohnt!
Aber erzähl lieber von euerem Theaterspiel, was musst denn da sagen?“
„Ich muss ganz laut durch die Tür zu Maria und Josef rufen:
Los, zieht weiter, ihr könnt hier nicht wohnen!“
„Da musst aber schön laut und deutlich sprechen, damit dich die Zuhörer auch alle gut verstehen können!“
„Du, Papa, weshalb haben die Wirtsleute damals Maria und Josef eigentlich nicht aufgenommen?“
„Na ja, wie war das eigentlich damals...? Maria und Josef waren halt ganz einfache Leute…, fremd, kamen aus einem anderen Land…, arm und bisschen abgerissen, haben anders geredet, waren eben anders als die anderen alle!“

Der Junge schaute den Vater mit ganz großen Augen fragend an:

„Waren denn Maria und Josef auch Asylanten?“

…und verzog sich daraufhin schweigend in sein Zimmer.

Autor: Wolfgang Kreiner, München

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